Lasst die Kinder Kanten haben! 

Freitagnachmittag nach einer langen Woche. Tasse Tee, Zeitung, (raschelnd, nicht online) und ein Platz im Ohrensessel. Hochgenuss.

Als die Zeitung gelesen ist, liegt da noch ein Papier zum Thema e-Learning. Wer analog Seminare gibt, sollte das Digitale nicht ganz ignorieren, denk ich mir, zumal es ein sehr fähiger Kollege verfasst hat. Blick ins Inhaltsverzeichnis, wie immer lese ich den Schluss zuerst: Anhang – „Die Schule der Tiere“. 

?! Les ich doch gleich mal. 

Die Schule der Tiere

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen,
Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.


Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich,
aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte
Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu
üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war.
Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum,
außer: die Ente. 

Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng
gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine
eigene Methode anzuwenden. 

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse,
aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen
Nachhilfeunterrichts im Schwimmen. Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein
Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es
bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im
Klettern und „Fünfen“ im Rennen. 

Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre
Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht
aufzunehmen.


Am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und
fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.


(Aus: „Legasthenie muss kein Schicksal sein“ von E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995) 

Das mit dem Schwimmen und Laufen der Ente erinnert mich an die Geschichtsversessenheit meines Zehnjährigen – und an seine Mathequalen. 

Das mit dem Adler passiert eigentlich ständig, wenn ein Kind nicht exakt den Anweisungen folgt, sondern seinen eigenen Weg gehen will. Kaninchen- und Eichhörnchengeschichten gibt es garantiert jede Menge unter den Schulabbrechern und Psychoklempnerkunden. 

Meine Güte! Müssen wir Eltern denn alle unter die Präriehunde gehen, um nicht lauter anormale Aale aufzuziehen?!

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Für’s Leben lernen. Aber was?!

Leerkraft

Was muss Schule heute leisten?

Große Aufregung in der Bildungsrepublik Deutschland, seit ein Kölner Teenie neulich auf Twitter den Blues hatte: @nainablabla haderte mit „Gedichtsanalysen“ (sic!), wollte doch lieber Steuertipps in der Schule lernen und bekam dafür 27 000 Sternchen.

Pausenlos kommentieren jetzt mutmaßlich mittelalterliche Absolventen altphilologischer Lehranstalten in etablierten Bildungsbürgermedien (Erbaulich zu lesen: Tagesspiegel und Spiegel!), wie nützlich für’s spätere Leben es doch sei, auch Unnützes und Langweiliges erst ertragen und dann auswendig zu lernen.

Da ist was dran, aber die Frage von @nainablabla bezog sich sicherlich auch darauf, ob und wie die Schule überhaupt in der Lage ist, Kinder auf das immer komplizierter werdende Leben vorzubereiten. War sie es überhaupt jemals? Eine Kernfrage für alle Eltern, Kinder, Bildungspolitiker und -Experten seit Aristoteles. Fehlt nur noch das übliche „Früher war alles besser“. War es besser?

Kurzer Checkup autobiographischer Art:

  • Ich kann mich sehr wohl daran erinnern, dass mich gegen Ende meiner bayerischen Abiturphase durchaus der Gedanke umtrieb: „Warum müssen wir in Wirtschafts- und Rechtslehre eigentlich immer nur anhand einer erfundenen Volkswirtschaft mit einer obskuren Währung namens ‚Djangos‘ die Kreisläufe des Geldes und andere Modelle simulieren, statt mal zu erfahren, ob unsereins vielleicht gleich mit 18 einen Bausparvertrag abschließen sollte?“
  • An die Aufgabe, die Schlüsselszene „Wald und Höhle“ im Faust zu analysieren, denke ich noch immer gern zurück – auch wenn ich’s danach wirklich nie mehr gebraucht habe. Dennoch geht mir noch heute das Herz auf, wenn einer aus dem Faust zitiert oder eine neue graphic novel zum Thema erscheint. Langfristige Horizonterweiterung ist eben nicht eins zu eins gegen sofortige Anwendbarkeit aufzuwiegen.
  • Gallia est omnis divisa in partes tres … Den Anfang des „Gallischen Kriegs“ spätnachts auf Parties zitieren zu können, machte zumindest in Zeiten vor Google hin und wieder Eindruck. Als wirklich hilfreich erwies sich ein in den diversen Jahren Lateinunterricht merkwürdigerweise doch über die Hirnmembranen eingesickertes Grundverständnis für die allerobskursten Fremdwörter und Neologismen. Es war nicht alle Paukerei völlig unnütz, auch wenn man es als Kind kaum glauben kann.
  • Leider wurden umgekehrt selbst manche offenkundig alltagstauglichen Dinge (Dreisatz …) zumindest mir mathematischem Deppen in der Schule nicht so vermittelt, dass ich sie begriffen hätte. Im Zweifelsfalle rechne ich bis heute entweder zu umständlich oder falsch und mein Mann lacht mich aus.
  • Kürzlich beim Abi-Jubiläum an unserem guten alten bayerischen Pennal dann eine ernüchternde Einschätzung, von einem der es wissen muss: Unser immer noch wunderbarer Englisch-Leistungskurs-Lehrer (der jetzt ein paar Jahre vor der Pensionierung steht) nimmt kein Blatt vor den Mund, als er „damals“ und „heute“ vergleicht. Der überfüllte Lehrplan für die heutige G-8-Generation lasse „gar keine Zeit für Extras wie Songtexte übersetzen oder einfach mal über das Leben reden“. Wer zu unserer Zeit, also lange vor dem G-8, im durchaus anspruchsvollen Chemie-Leistungskurs gesessen habe, sei dort angemessen auf das Chemiestudium an der Uni vorbereitet worden. Das Tempo und die Stoffdichte heute produziere chronische Dünnbrettbohrerei: „Alle Themen können höchstens angerissen werden, um schnellstmöglich zum nächsten zu hetzen.“

Hmmm. Fazit? Früher war nicht alles besser.

Aber das Leben war nicht so hektisch, die Informationsflut zahmer, die Welt (scheinbar?) größer. Das hilft der heutigen Jugend in ihrem Bildungshamsterrad leider nicht weiter. Sie müssen heute schon mit 17, das Abi in der Tasche, funktionieren und nach einem kurzen, vorgestanzten Bachelor-Studium wirtschafts- und alltagstauglich sein. Die Kinder der Siebziger dagegen studierten bis Mitte 20 die verschiedensten Fächer vor sich hin, probierten viel aus und bekamen dabei ganz von selber vom Leben die gleichnamige Erfahrung vermittelt.

Muss also die Schule in unserer hochbeschleunigten Welt mehr Verantwortung übernehmen? Selbst wenn die Schule eigentlich Lebenstüchtigkeitscoaching für Pubertierende leisten müsste, würde es das zeitgenössische 8-jährige Stopfhirn-Gymnasium in seiner jetzigen Form gar nicht können. Äh – was machen eigentlich die Eltern der jungen Leute den ganzen Tag?

Starterpack für alle

Vielleicht wäre es ja schon genug, wenn die Bundeszentrale für Politische Bildung (oder, falls das dem Bildungsföderalismus widerspricht, machen es eben die Landeszentralen) allen Schulabgängern – auch denen, die zwischendurch aufgeben – einfach ein wasserdichtes Starterpack in die Hand drückt.

Da steht dann alles Maßgebliche drin, von der absolut ratsamen Haftpflichtversicherung über die für den Schulbesuch anrechnungsfähigen Rentenpunkte bis zum verfärbefreien Wäschewaschen. Samt Organspenderausweis zum Gleichausfüllen, Kondomen und, wenn’s das Staatssäckel hergibt, einer Bahn-Card 25 fürs erste Jahr in Freiheit. Könnten die jungen Leute einfach mitnehmen, wenn sie bei Mutti ausziehen und dürften dann (zumindest, wenn ein Backup in der Cloud verfügbar ist) nie mehr behaupten, man hätte sie nicht gewarnt …

Übrigens: Die Zeit stellte @Nainablabla just einiges mehr als 140 Zeichen zur Verfügung, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Sie findet Textanalyse jetzt doch nützlich, plädiert aber für einen Projektkurs Alltagskunde: „Natürlich sind das Sachen, die man auch googeln kann. Aber dann wird man von so einer Flut an Informationen überrollt, dass es wahnsinnig schwierig ist, zu unterscheiden: Was kann ich gebrauchen und was nicht?“

Tja. Fragen wir uns das nicht alle jeden Tag?!

Folglich bietet sich als ultimativer Ausweg wohl doch ein Dreiklang an. Nicht alles „Überflüssige“ streichen, Starterpacks verteilen und dann die Kids zum Schwimmenlernen ins Leben schubsen. Ach ja – und außerdem das Schulsystem neu erfinden.

P.S. vom 19.1.: Die fleißigen Schwaben machen gleich Nägel mit Köpfen, berichtet die Süddeutsche Zeitung:

Trödler trietzen

Das lange Einheitswochenende lag hinter uns und unserem Sextaner – Sonne, Chillen und keine Hausaufgaben bis aufs Lernen für die dräuende erste Mathe-Klassenarbeit am Montag. 2x Üben, mehrfach Ächzen, ging auch irgendwie vorbei. Mal sehen, wie sie ausfällt. Nur eines war unerfreulich: In der Stunde vor der Mathearbeit gefiel es dem Englischlehrer, schnell noch einen Vokabeltest über die unregelmäßigen Verben abzuhalten. Überraschend für unseren vertrödelten Sohn, vor dem Wochenende angekündigt für diejenigen, die Ohren hatten zu hören (und Finger, das auch noch in ihr Aufgabenheft zu pinseln).

Kein echtes Drama, go-went-gone und Co hat er nach vier Jahren bilingualem Unterricht hoffentlich einigermaßen aus dem Stand drauf, und die übrigen Kinder sollten die lange Liste bis Ende September alle auswendig gelernt haben – vermutlich, ohne in zwei Jahren Begegnungsenglisch ab Klasse 3 jemals von deren Anwendbarkeit in simple past oder past perfect gehört zu haben … Naja, was soll’s, Wörterlisten ohne Zusammenhang bimsen schult bestimmt das Gedächtnis.

Aber müssen diese Daumenschrauben schon am Anfang der Sekundarschulkarriere sein? Dieses holprige Prüfungsstakkato, das sich nun gerade über die zwei Wochen vor den Herbstferien im Kalender entfaltet und von kümmerlichen Absprachen im Kollegium kündet? Muss es sein, dass gleich für Donnerstag ein weiterer Englisch-Test angesagt wird? Das war doch der Tag, an dem die kleinen Neu-Lateiner ihre lange angekündigte erste Klassenarbeit in der Sprache Caesars schreiben sollten?

Geistesgegenwärtige Elternvertreter werfen einen Blick ins Schulgesetz („an einem Tag darf nur eine Klassenarbeit geschrieben werden“, sagt die SEK-I-VO) und verhindern die Doppelprüfung. Zumindest verhindern sie, dass beide „Klassenarbeit“ heißen. Denn der Protest ficht Mr. Drill Sergeant nicht an – er beharrt auf einer schriftlichen Leistungskontrolle an jenem Latein-Donnerstag und benennt sie flugs um in „Test“. Schließlich sei ja die Klassenarbeit vorzubereiten und die würde nun am Donnerstag drauf geschrieben. Ätsch.

Latein hin, Englisch her, Tests fliegen mutmaßlich knapp unter dem Radar der Dings-VO und sind bestimmt erlaubt oder zumindest nicht verboten. Was bleibt dem armen Mann auch übrig, wenn er nur an 2 Tagen pro Woche überhaupt in der Klasse auftreten darf? Irgendwann muss er seine Englischnoten ja machen. Davon, dass die Schule die Freude am Lernen fördern soll, steht ja schließlich nichts in der VO. Dann doch lieber schon in Woche 6 der 5. Klasse den Lernterror einführen, dann wissen die Kerle wenigstens, wo der Hammer hängt: Lerne Pauken ohne zu fragen … und Denken macht sowieso nur rebellisch.

Wieso wird Englisch in Klasse 5 eigentlich auf 3 Schulstunden reduziert – genausoviel wie die Zahl der Sportstunden? In unserer globalisierten, digitalisierten Welt können die Kinder es doch gar nicht schnell und gut genug lernen! Zumal  im europaweiten Vergleich angeblich sogar die Österreicher besser Englisch sprechen als wir Piefkes (siehe dazu eine der herrlichen Landkarten von http://jakubmarian.com/map-of-the-percentage-of-people-speaking-english-in-the-eu-by-country/). Wahrscheinlich haben die mehr Unterricht …

Verschärft wird das ganze Dilemma noch durch das klassische Jungs-Problem, dass unser Träumerle die Ansagen des Englischlehrers natürlich zur Hälfte überhört hat und erst kurz vor Tag X auf den Trichter kommt, dass er was lernen soll. Doch es gibt Hoffnung in Sachen Hausaufgabenheftführung und Selbstorganisation: Den Termin der Deutsch-Klassenarbeit hat er ganz ordentlich aufgeschrieben. Sie findet nächsten Freitag statt, am letzten Schultag vor den Herbstferien. Gleich am Tag nach der Englisch-Arbeit!

Hilfe die Herbstferien kommen!

20131013_131429Hatten wir nicht gerade erst den ersten Schultag nach den fast siebenwöchigen Sommerferien? Nun dämmern schon wieder 14 Tage Herbstferien herauf und diejenigen unter uns, die einer Erwerbsarbeit nachgehen fragen sich bang: Was macht mein Kind, während seine Erzeuger – zumindest in einer der beiden Wochen – arbeiten gehen?

Ferienhort? Fehlanzeige, das war er für uns schon zu Grundschulzeiten, denn dafür muss man das ganze Jahr über einen Hortplatz beantragen (und bezahlen) – und wer will das schon in einer Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr? Irgendwann möchte man sei Kind ja doch nochmal im wachen Zustand sehen. Die paar Mal, wo es mit der Abholung um 16 Uhr arbeitsbedingt nichts wurde, fanden sich schließlich immer ein Klassenkamerad und dessen Eltern, die das eigene Kind einfach mit nach Hause nahmen, wo man es dann ein, zwei Stunden später aufsammelte und noch einen Schwatz dranhängte.

Im Gymnasium – mutmaßlich eine Strafe der egalitaristischen Berliner Bildungsverwaltung für diejenigen, die mutwillig früher aus dem 6-Jahre-Grundschukollektiv ausscheren?! – ist der Hort ganz abgeschafft. Sollen die Abtrünnigen doch sehen, zu welchen Großeltern sie ihre Brut in 13 Wochen Schulferien kinderlandverschicken. Was machen Eltern, deren Kinder verschickungsunwillig sind? Oder die mit unpässlichen Großeltern? Ob unsere Oma in der 2.Ferienwoche wirklich kommen kann, hat sie noch nicht endgültig entschieden …

Bleiben also wieder nur die üblichen zwei Alternativen: Entweder sämtlichen elterlichen Urlaub für die Ferienbetreuung verbraten – den eigenen und den des Ehemannes, separiert auf 12 getrennte Wochen wohlgemerkt, wobei noch immer eine Woche irgendwie anders zu überbrücken wäre. Oder, will man doch noch das Privileg eines (oder mehrerer) gemeinsam als Familie verbrachter Urlaubswochen genießen, das CAMP. Neudeutsch für privat organisiertes Aktivitätenprogramm gegen Bargeld.

Ich flöhe die Mailbox nach wohlmeinenden Angeboten.

Malworkshop von der Diakonie in den Herbstferien – Thema „Zeit der Ernte“. Schön! Leider malt mein Sohn lieber Comics ohne Anleitung und weigert sich, vorgegebene Themen zu bearbeiten. Das müsse er ja schon im Kunstunterricht.

Computerführerschein! Ja! Sehr nützlich. Kostet zwar schlappe 259 Euro, aber dafür ist Mittagessen mit drin und Weiterbildung von 9 bis 16 Uhr garantiert. Sicheres Surfen zu lernen wäre ohnehin dringend mal fällig. – Oh nein! Falsche Woche! Naja, vielleicht nehmen wir dann das Tastaturschreiben an den vier Adventssamstagen. Löst allerdings das Herbstproblem nicht. Hmmm….

Mehr Angebote gibt die Mailbox nicht her, also ab ins Internet.

Fußball?`Traumatische Regenwoche bei der kleenen Hertha in den vorletzten Sommerferien – brauch ich gar nicht erst fragen. Allroundsportcamp bei Z88? Guter Deal für 125 Euro pro Woche sind die Gören von 8.30 bis 16 Uhr versorgt & animiert und bewegen sich noch dazu. Aber hach, da sind immer ein, zwei Sportarten dabei, die der gnädige Herr nicht mag, das gibt Gemecker. Großstadttiger? Das waren doch diese abwechslungsreichen Abenteuerwochen wahlweise mit oder ohne Sport … „Zurzeit tigern die Großstadttiger nicht“. Schade eigentlich!

Ich beschließe, das Problem vorerst zu vertagen (vielleicht überlegt sich’s die Oma ja doch noch …) und erst mal unverbindlich nachzuzählen, ob da nicht noch irgendwo ein paar Ausgleichstage und Überstunden abgebummelt werden müssten.

Oder hat vielleicht jemand noch ne andere Idee für uns? Wie gesagt, die 2. Ferienwoche wäre perfekt …

Nichts zu tun außer Eröffnungen!

Sehr aufschlussreich, diese Schulfeste! Vor allem dann, wenn Politprominenz anwesend ist …
Heute nachmittag feierliche Worte zur Enthüllung des Schulschildes mit Berliner Bär und „Haus II“ an der vormaligen Realschule und noch vormaligeren Lateinschule: Der Direktor freut sich, dass „wieder zusammen ist, was zusammengehört“, der Bezirksbürgermeister freut sich auch und findet, dass eine so nachgefragte Schule ja auch mehr Platz braucht. Nur die Schulstadträtin schießt sich ins Knie mit dem Spruch, bei ihrem Amtsantritt habe sie von Schulen keine Ahnung gehabt und sei ermuntert worden, da müsse man nicht viel tun außer zu Eröffnungen und anderen erfreulichen Anlässen zu gehen. Leider sei sie in den letzten Jahren meist eines Besseren belehrt worden. Ach ja?!
Bei der Einstellung ist mir endgültig klar, warum unsere jetzt hinter uns liegende Europa-Schule dermaßen um Selbstverständlichkeiten kämpfen musste und dabei fast unter die Räder – oder besser: die Dampfwalze – jener Dame gekommen wäre …

Schwimmen oder untergehen?

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Herr und Sklavin: Wer ist wer?

Sonntagnachmittag. In der Küche wird es laut. „Wieso soll ich die blöden Vokabeln nochmal auf Karteikarten schreiben? Ich hab sie doch schon ins Vokabelheft geschrieben!!“, brüllt mein Fünftklässler, frisch gebackener Gymnasiast und in Berlins sechsstufiger Grundschullandschaft ein mutwilliger Ausreißer. 2 x 32 andere Kinder in den fünften Klassen seiner altehrwürdigen neuen Lehranstalt wollten es ebenso. Ihr neues Leben geht jetzt in die vierte Woche  und der Anfang ist gar nicht so ohne. Neue Sprache (Latein), volle Klassen (lakonischer Kommentar der Klassenlehrerin: „Hier im Südwesten können die Eltern die Nachhilfe zahlen, da werden die Gymnasien noch voll. In Neukölln sieht das anders aus.“),  neue Kinder, neue Lehrer, neue Fächer und über allem der Anspruch „Ihr seid jetzt am Gymnasium, das müsst ihr jetzt schon können!“ Schwimmen oder untergehen?

Im Gegensatz zu mir geht mein Mann nicht gleich in die Luft nach diesem Ausbruch. Ruhiges Murmeln, Abfragen, Antworten. Der lateinbegeisterte Papa schweift ab zur bei beiden heißgeliebten BBC-Serie „Horrible Histories“ und erklärt am Beispiel horrible – horribilis wieder mal, dass eine Menge englischer Wörter, die unser Sohn nach vier Jahren bilingualer Grundschule längst kennt, aus dem Lateinischen stammen und er sich daher doch eigentlich gar keine Sorgen machen müsse. Offenbar tut er das aber doch (vor allem darüber,  dass er jetzt jeden Tag sitzen und lernen soll!), denn er schreibt nur unter lautem Wehklagen die Wörter widerwillig auf die Karteikarten ab.

Ich seufze und schaue auf die Uhr. Mathe steht auch noch an. Und Grammatik in Deutsch. „Die Kinder müssen die Fälle sicher können und auch wissen, was ein Subjekt, ein Objekt und ein Prädikat ist.“ Aha. Kurzer Check am Tag nach dem Elternabend: Den Genitiv findet mein Kind meist erst im 2. Anlauf in einem vorgegebenen Text und nach dem Dativ fragt er forsch „Wen oder was?“. Na prima. Was haben die eigentlich gemacht in der  4. Klasse? Offenbar hab ich das leider nicht so genau mitbekommen, denn in der Ganztagsschule gab’s ja angeblich keine Hausaufgaben und die Hefte und Bücher blieben häufig in der Schule. Großartig. Nach vier Jahren Black Box jetzt das blaue Wunder!? Können die anderen Kinder von den anderen Grundschulen das etwa alles? Meine Hausaufgabe für nächste Woche steht jedenfalls schon fest: Beim Schulfest mal vorsichtig die anderen Mütter befragen …